Kentmanns Wirken in Torgau
1554 siedelte Kentmann mit seiner Frau und zwei Kindern von Meißen nach Torgau um und erhielt hier am 20. September sine Ernennung zum Stadtarzt. Er wohnte bis 1553 in einem städtischen Mietshaus auf dem Nicolaikirchhof mietfrei. Als 1563 mit dem Abriss des alten Rathauses und dem Neubau begonnen wurde, zog Kentmann in das Kloster (1565(6?) und kaufte das Haus in der Schlossgasse, das noch heute die Wappen der Familien Kentmann und Sporer trägt (1567).
Das Kentmann einflussreiche Freundschaften pflegte, zeigen die Paten für die in Torgau geborenen Kinder. Georg Weinbehr war 1555 amtierender Bürgermeister und stand bei Theodosius Pate neben dem Ratsherren Thomas Döring und Barbara Kreich. Kreich war neben seiner Tätigkeit als Apotheker auch Stadtrichter.
Bei Anna standen Agnes von Miltitz, die Frau des Hauptmannes von Torgau,
und Frau Pflügin, Hausfrau des Friedrich von Holdow auf Kreischa Pate. Für
die beiden Töchter Sidonie, die nach nur wenigen Wochen 1558 und
1560 starben, standen z. B. Frau Maria von Dommitzsch und Frau Minckwitz
Pate. 1561 wurde Kunigunde geboren.
Bei der Auswahl ihrer Paten war deutlich ersichtlich, dass Kentmann Kontakte zum Hof
nach Dresden suchte. Er hatte den Wunsch, als Leibarzt des sächsischen
Kurfürsten nach Dresden berufen zu werden.
Der Torgauer Botanische Garten
In Torgau gab es einen Botanischen Garten, der von Joachim Kreich angelegt
worden war und bei Gessner als einer von 4 im damaligen deutschen Sprachraum
genannten Gärten erwähnt wird.
Der Torgauer Garten hat schon vor 1554 bestanden. Joachim Kreich betrieb eine eigene Apotheke am Markt 9, nachdem er vom Kurfürsten das Privileg erhielt. 1551 ist er im Steuerregister als Besitzer von Haus, Hof, Gärten, Apotheke und Cramhandel registriert. Ebenfalls 1551 hatte Ambrosius Mollicher eine Apotheke im Markt 13. Dieser war bereits
1522 als erster Torgauer Apotheker kurfürstlich
privilegiert worden. Wo genau dieser botanische Garten gelegen hat, ist nur
zu vermuten. Er könnte sich vor dem Leipziger Tor befunden haben.
In der Böhme – Chronik macht der Autor auf den Garten seines
Zeitgenossen Balthasar Summer aufmerksam, der sich in der langen Vorstadt befand.
Kreich verstarb 1575.
Das „Kreutterbuch“ von Kentmann
Kentmann hatte 1549 mit seinem umfangreichen Sammelwerk, dem Codex Kentmanns,
begonnen.
Hierbei verwendete er die bereits in Padua gesammelten Pflanzen und ergänzte sie durch die hier heimischen. Bei der Fortsetzung dieses Werkes war ihm der Torgauer Garten
sicher eine große Hilfe. Kurfürst August hat bei Kentmann wahrscheinlich dessen Codex gesehen und Interesse an einem solchen Werk bekundet. Er gab das „Kreutterbuch“ über
Kentmann in Auftrag, das von dem in Torgau geborenen Zeichner David Redtel 1563 angefertigt wurde. Kentmann wirkte hierbei nur als Sammler der dargestellten Pflanzen und als Herausgeber. Das „Kreutterbuch“ wurde dem Kurfürsten übergeben und ist bis heute als Unikat erhalten geblieben.
Johann Kentmann war aber nicht nur Mediziner und Botaniker, er war auch Zoologe. In seinem Sammelwerk, dem Codex, fügte er an die Pflanzenzeichnungen die der Fische an.
Der Geologe Kentmann
Ein besonderer Wissenschaftszweig, mit dem sich der Universalgelehrte Kentmann bestens auskannte, war die Geologie und Mineralogie
Er war es auch, der den ältesten gedruckten Mineralienkatalog verfasste.
Dieser
erschien in Gessners Sammelband „De omni rerum fossilium genere“ 1565
in Zürich. Bei seinem Katalog befasste sich Kentmann hauptsächlich mit den Mineralien,
die im
Meißnischen Raum, aber auch in anderen Gegenden vorkommen. Ihm ist sehr
hoch anzurechnen, dass er noch zu allen Mineralien ausführliche Bemerkungen
angefügt
hat. Bei diesem Katalog handelt es sich um die erste systematische Mineralogie
Sachsens, in der etwa 1700 Objekte festgehalten sind.
Die Sammlung zu diesem Katalog ist leider verschollen.






