Ines Alisch
Der Schwätzer
Sein eigenes Leben – stupide und hohl -
er saugt sich an dem was er hört richtig voll.
Da er über sich selbst nichts sagen kann,
gibt er mit dem Gehörten der anderen an.
Er prahlt damit und gibt allen preis,
was er so von seinen Mitmenschen weiß.
Ein jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen,
und lass dir sagen
und geh´ davon aus, dass überall Menschen sitzen,
die voll Häme und Neid ihre Ohren spitzen |
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Ines Alisch
Carmen im Schnee
Wir waren so jung, so glücklich, nichts ist erfunden -
der Blick deiner Augen ist in meinen ertrunken.
Hatten Pläne so riesig groß
und du brachtest Glück in meinen Schoß.
Diese erste Liebe war so schön,
wir haben uns aneinander nie satt gesehn.
Deine Hände, dein warmes Haar -
manchmal wünschte ich, es wäre alles noch da -
das Wir im eisigen Wind!
Und wir spürten beide wie glücklich wir sind.
Ich trug ein schwarzes Tuch überm Haar
und du sagtest es mir, als wäre es heute noch da.
Du siehst aus wie Carmen im Schnee,
und es erfüllt mich jetzt ein trauriges Weh.
Die Welt war wie verzaubert – eisig heiß
glitzernd und völlig klar wie kristallklares Eis.
Und immer wenn ich den großen Wagen seh,
denk ich an uns und unsere Liebe im Schnee,
als unsere Körper in eiskalter Nacht
den eisigen Schnee zum Schmelzen gebracht!
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Hans-Joachim-Albrecht
Heimatlos
Ich bin der Wind.
Von blutig Sturm bin ich getrieben.
Nichts ist von meiner Heimat mir geblieben.
Ein Fremder bin ich seither überall.
Ich bin der Wind.
Verbrannte Städte und zerstörte Leben.
Zerrissne Bande, die mir Halt gegeben.
Zerbombte Bäume sah ich ohne Zahl.
Ich bin der Wind.
Und hinterlasse keine Spuren.
Ich überfliege fremde Fluren.
Am neuen Ort ein neues Leben schwer gelingt.
Ich bin der Wind.
Und treibe durch die Lande.
Und ruhelos bin ich auch außerstande
Den Baum zu pflanzen, der mir Schatten bringt.
Ich bin der Wind.
Und such in deinen Armen Halt.
Ach, bitte hab mit mir Erbarmen,
und sei mir Heimat.
Unbedingt!
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