Kurt Theuerkauf – ein Nachruf

Am 27.11.2021 ist unser Gründungsmitglied Kurt Theuerkauf verstorben.
Lesen Sie hier seinen Nachruf.
Eine Gedenkwand wurde in der Kleinen Galerie, Pfarrstraße 3, eingerichtet.

Portrait Kurt Theuerkauf Stefanie Robrecht

Foto: Stefanie Robrecht



Über klare Teichwogen,
die kaum bemerkt ans Ufer gelangen,
gleitet ein weißfedriger Vogel
majestätisch Richtung Sonnenuntergang.

Schon morgen ist alles im Frost erstarrt.
Still ist es dann am Teich ohne Wogen,
still und lebensleer.
Es bleibt nur die Erinnerung an gestern.

Wir sind Menschen und obwohl wir noch so verschieden und einzigartig sind, uns eint ein Gesetz, das über uns allen steht: Eines Tages ist es für uns an der Zeit, die Welt, die wir erlebt, genossen und die wir mitgestaltetet haben, zu verlassen. Am 27. November 2021 ging Kurt Theuerkauf im Alter von stolzen 84 Jahren von uns.

Am 11. Dezember 1936 kam Kurt Theuerkauf in Haldensleben in Sachsen-Anhalt auf die Welt und schien von Anfang an mit einem enormen künstlerischen Talent gesegnet worden zu sein. So dauerte es nicht lang, bis der Familie, den Freunden sowie den Lehrerinnen und Lehrern seine Begabung auffiel. Kurt Theuerkaufs Zeichnungen und Malereien erhielten von Mal zu Mal mehr Details, mehr Blick für das Besondere und mehr Seele. Mit bloßem Stift und Pinsel ließ er Landschaften und Stillleben entstehen, die bis heute in ihrer Einzigartigkeit unübertroffen sind.

Ausgestattet mit seiner künstlerischen Veranlagung begann er seine Ausbildung zum Keramikmaler und erweiterte sie in den Lehrjahren an der Ingenieursschule für Keramik und an der Fachhochschule für Kunst im thüringischen Sonneberg. Nach seiner umfangreichen Ausbildung zog es ihn nach Torgau, wo er fortan als Form- und Dekorgestalter im ehemaligen VEB Steingutwerk Torgau arbeitete.

Neben der Kunst an sich hatte Kurt Theuerkauf eine weitere Passion: die Lehre. Es war ihm nie genug, selbst zeichnerische, malerische und plastische Werke zu erschaffen, nein, er wollte stets seine Kenntnisse weitervermitteln. Er begann zunächst damit, das Arbeiten mit Ton, das er bei Bruno Kubas erlernte, Lehrerinnen der medizinischen Fachhochschule Torgau und seinen Kolleginnen und Kollegen des VEB Steingutwerks Torgau nahezubringen. Daraus folgten bald weitere Kurse in der Region Torgau-Oschatz. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Herbert Schedina trat Kurt Theuerkauf dem Kulturbund bei und engagierte sich dort von 1971 bis 1990 als Vorsitzender. 1980 wirkte Kurt Theuerkauf als Gründungsmitglied der Kleinen Galerie Torgau und zehn Jahre später ebenso als Mitbegründer des Torgauer Kunst- und Kulturvereins „Johann Kentmann“. Dank seines unermüdlichen Einsatzes für Kunst- und Kultur war es überhaupt möglich, dass 2020 die Kleine Galerie das vierzigjährige und der Kunst- und Kulturverein das dreißigjährige Jubiläum feiern konnten. Tatkräftig war Kurt Theuerkauf in Gestaltung und Ausrichtung von Galerie und Verein involviert. Nicht nur in den Jahren von 1991 bis 2006 als Vorstandsmitglied des Vereins, sondern auch als beständiger Besucher aller Vernissagen und als Freund war er immer ansprechbereit, wenn es um Rat, Vorschläge oder einfach um die Bewunderung eines ausgestellten Kunstwerkes ging. Sein Wirken blieb der Stadt Torgau nicht verborgen und so erhielt er im Bereich „Kultur“ 2015 verdientermaßen den Heimatpreis. 2020 ernannte der Torgauer Kunst- und Kulturverein den Künstler, Lehrer und Freund Kurt Theuerkauf zum Ehrenmitglied des Vereins.

Wer die Chance bekam, Kurt Theuerkauf kennenzulernen, der wird sich sehr gut daran erinnern, welche Freundlichkeit, welcher Enthusiasmus und welche Wärme stets von ihm ausgingen. Betrat er einen Ausstellungraum folgten auf ein immer herzliches Grüßen genaue Blicke auf die Exponate, in die er allzu gern versank, um nach einiger Zeit zu lächeln und voll des Lobes über sie zu sprechen. Aber auch als Künstler an sich hinterließ Kurt Theuerkauf tiefe Spuren. Besonders seine Aquarellmalereien zogen nicht nur immer zahlreiche Besucherinnen und Besucher zu seinen Ausstellungen, sondern führten auch zu vielen Verkäufen seiner Werke. Und das nicht ohne Grund: Kurt Theuerkauf vermochte es, Detailreichtum mit stimmungsvollen Farben zu verbinden. Jeder wusste so auf Anhieb, von welchem Ort aus er seine Werke anfertigte, und konnte danach in nahezu romantische Farbwelten eintauchen. So gelang es ihm einerseits, durch seine Werke tiefe Gefühle von Erhabenheit und Bewunderung auszulösen, und anderseits stets ein Stück seiner vielfältigen Künstlerseele zu präsentieren. Bei aller Wertschätzung und bei allen Erfolgen, die Kurt Theuerkauf im Bereich Kunst und Kultur erlangte, blieb er dennoch bescheiden. Er war einfach daran interessiert, Kunst zu schaffen und anderen eine Freude damit zu machen. Daher waren ihm die Verkaufspreise seiner Werke fast schon Nebensache. Es kam ihm vielmehr darauf an, dass er mit seiner Kunst etwas im Inneren der Menschen bewirkt. Wichtiger als ein Preis war für ihn der Moment, in denen sich die Betrachterinnen und Betrachter in seinen Werken verlieren konnten. Das Beispiel eines so bewundernswerten Künstlercharakter gilt es am Ende, nicht nur in Erinnerung zu behalten, sondern, so weit wir es vermögen, nachzuahmen.

In Gedenken an einen Ausnahmemenschen drückt der Torgauer Kunst- und Kulturverein „Johann Kentmann“ der Familie von Kurt Theuerkauf, seinen Freunden und allen Angehörigen sein tiefstes Beileid aus.

Text: René Kanzler

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