Die Torgauer Renaissancetänzer

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Das 15. und 16. Jahrhundert, die Zeit der Renaissance, war für das sächsische Torgau eine ganz besondere Zeit. Die Rückbesinnung des Menschen auf seine Individualität, die Zeit der Entdeckungen und das Aufblühen der Städte prägte das Lebensgefühl auch im damaligen Sachsen. In der Stadt Torgau blühten Architektur, Malerei, Tanz und Musik.
Schloss Hartenfels mit seinem großen Wendelstein und Lucas Cranach legen in Torgau davon Zeugnisse ab.

Sänger aus England, Tänzer aus Frankreich und Musiker aus Italien wurden für die großen Torgauer Hoffeste verpflichtet. Der Tanz, ehemals als „Teufelszeug“ verboten, wird hoffähig und für die Stadtbürger willkommener Ausdruck ihrer Lebensfreude. Stadtpfeiffer mit ihren Rausch- und Sackpfeifen sowie Hofmusiker mit ihren Pauken und Trompeten wurden angesehene Mitbürger.

Dieses Lebensgefühl wollen wir in die heutige Zeit transportieren und den Menschen von heute zeigen, wie schön es ist, heute in Sachsen zu leben.

Die Tänze der Renaissance wurden ursprünglich durch vor-, nach- und mitmachen weitergereicht.
Erst nach und nach beschreiben Tanzmeister exakt die Schrittfolgen verschiedener Tänze.
Ab Mitte des 15. Jahrhunderts gibt es Aufzeichnungen in Burgund und Italien, später auch in Frankreich und England, nach deren Vorlagen unsere Tänze entstanden sind.

Die Torgauer Renaissancetänzer existieren bereits seit über 20 Jahren. Zu Beginn wurden sie durch den Dresdener Choreographen Manfred Schnelle betreut. Im Jahre 2007 übernahm die Tänzerin und Tanzwissenschaftlerin Mareike Greb aus Leipzig die Leitung der Gruppe. Damit begann eine Rückbesinnung auf die historischen Tanzbücher und Manuskripte aus Renaissance und Frühbarock. Die Rekonstruktionen von Reigen-, Gassen-, Paar-, Sprung- und Schreittänzen, von Branlen aus Frankreich oder Country Dances aus England wurden nun das Programm eingearbeitet.

In unserem Programm zeigen wir abwechslungsreiche Tänze der Renaissance und des Frühbarock in eindrucksvollen Gewändern. Tanzen wie vor etwa 400 Jahren, genau das Richtige um die faszinierende Atmosphäre einer vergangenen Epoche zum Leben zu erwecken.

Auch eine kleine Modenschau unserer aufwändig historisch nachempfundenen Kleidung bieten wir an, und laden Groß und Klein zum Mittanzen ein.

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Zehn kleine Tänzerlein

Zehn kleine Tänzerlein, die tanzen heut ́ganz fein,
doch einer tanzte aus der Reih ́
da waren ́s nur noch neun.

Neun kleine Tänzerlein, die zogen durch die Nacht,
das eine fand den Weg nicht mehr,
da waren ́s nur noch acht.

Acht kleine Tänzerlein, die müssen fleißig üben,
doch einer, der brach sich das Bein,
da waren ́s nur noch sieben.

Sieben kleine Tänzerlein possieren mit der Hex ́,
der eine ward verzaubert gleich,
da waren ́s nur noch sechs.

Sechs kleine Tänzerlein, die stricken sich paar Strümpf ́.
Die eine stach den Finger sich,
da waren ́s nur noch fünf.

Fünf kleine Tänzerlein, die tranken gerne Bier,
doch einer nahm zu viel davon,
da waren ́s nur noch vier.

Vier kleine Tänzerlein, die tanzen bis halb zwei,
doch einer war zu müde schon,
da waren ́s nur noch drei.

Drei kleine Tänzerlein, die aßen süßen Brei,
der Einen, der ward schlecht davon,
da waren ́s nur noch zwei.

Zwei kleine Tänzerlein, die kamen mal nach Mainz
der Eine blieb für immer dort,
da war es nur noch einer.

Ein kleines Tänzerlein, das sucht den Proben-Ort,
gefunden hat er nur  ́ne Bar
und war für immer fort!